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Vereinskrone

Die Goldmünzen „Krone“ und „Halbe Krone“ sind Handelsmünzen, die von 1857 bis 1871 als Vereinsgoldmünzen gemäß Wiener Münzvertrag vom 24.01.1857 ausgeprägt wurden.

Kaisertum Österreich Franz Joseph Krone und Halbe Krone 1858
Kaisertum Österreich Franz Joseph Krone und Halbe Krone 1858
Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Die revolutionären Ereignisse von 1848, die fehlende Zolleinigung mit Deutschland und der Machtkampf mit Preußen lösten in Österreich eine Währungskrise aus. Es gab kaum Umlaufmünzen zur Sicherung des täglichen Zahlungsverkehrs. Österreich hoffte durch einen neuen Zoll- und Handelsvertrag einschließlich einer Münzkonvention mit den deutschen Staaten die Probleme lösen zu können. Die 1854 aufgenommenen Verhandlungen zur Münzkonvention scheiterten jedoch. Österreich wollte eine Goldwährung, während Preußen und andere deutsche Länder an der bewährten Silberwährung festhielten. Sie waren nur bereit, eine gemeinsame Handelsgoldmünze ohne fixen Kassenkurs zu akzeptieren.

Dem neuen Finanzminister Karl Ludwig von Bruck (1798-1860) war eine Einigung in der Münzfrage wichtiger als der Übergang Österreichs zu einer Goldwährung. Er erreichte eine Wiederaufnahme der Verhandlungen im Januar 1856. In deren Ergebnis vereinbarten Österreich, Lichtenstein und die deutschen Zollvereinsstaaten den Wiener Münzvertrag vom 24.01.1857. Der Vertrag trat am 01.05.1857 in Kraft und sollte zunächst bis Ende 1878 dauern.

Die Artikel 18 bis 20 des Wiener Münzvertrages enthalten die Vertragsvereinbarungen über eine Vereinsgoldmünze.

Name der Vereinsgoldmünze

Bei der Suche nach dem Namen für die neue Goldmünze hatte man zunächst Jacob Grimm um Hilfe gebeten. Sein Vorschlag war, in Anlehnung an das Wort Silberling von Martin Luther, den Namen Goldling bzw. Golding zu verwenden. Doch man hatte sich entschieden, der neuen Münze mit einem oben offenen Eichenkranz ein unverwechselbares Aussehen zu geben. Der Eichenkranz entsprach der Gestalt der römischen Corona und damit entstand die deutsche Münzbezeichnung Krone.

Münzgewicht

Österreich und weitere deutsche Länder konnten Preußen überzeugen, die Kölner Mark zu 233,8555 g laut Dresdner Münzkonvention nicht mehr als Münzgewicht zu verwenden. Das Zollpfund zu 500 g wurde neues gemeinsames Münzgewicht mit dezimaler Unterteilung.

Stückelung und Münzfuß

Bei den Verhandlungen über den Münzfuß wollte Österreich einen geringen Goldgehalt. Die vorgeschlagenen 70 Stück aus dem Zollpfund würden je Münze 7,143 g Gold entsprechen (ähnlich dem späteren 20-Goldmark-Stück der Reichswährung). Preußen bevorzugte jedoch wie bei den britischen und russischen Goldmünzen, ein Feingewicht von 10 g Gold. Nachdem Bayern und Sachsen diesen Vorschlag unterstützten, kam es zur Einigung über den Münzfuß:

Im Gegenzug wurde Österreich gestattet, den bisherigen Dukaten als Handelsmünze für die südöstlichen Nachbarn zeitlich begrenzt weiter bis 1865 prägen zu dürfen. Er sollte jedoch keine kleinste Vereinsmünze sein. Österreich nutzte diese Ausnahmeregelung für eine umfangreiche Dukatenprägung in den Jahren 1857 bis 1867 und erfüllte sich somit seine Wünsche nach einer kleinen Goldmünze:

Mischungsverhältnis

Nach langwierigen Verhandlungen einigten sich alle Länder auf das Mischungsverhältnis von Gold 900‰ und Kupfer 100‰. Argumente für diese Einigung waren, dass die Feinheit der damals umlaufenden Goldmünzen überwiegend bei 900‰ Gold lag.

Es wurde angenommen, dass Großbritannien auch in absehbarer Zeit auf 900‰ wechselt. Die russichen Goldmünzen mit 917‰ konnten ohne Probleme eingeschmolzen und mit 900‰ wieder ausgeprägt werden. Hannover und Preußen wollten auf die weitere Prägung ihrer bisherigen Goldmünzen mit dem abweichenden Mischungsverhältnis verzichten. Dafür wurde Hannover gestattet, auch Landesgoldmünzen aus dem Harz-Gold als Gedenkmünzen im Umfang von jährlich 2,5 Pfund Gold zu prägen (tatsächlich sind keine Prägungen bekannt).

Die Prägung anderer Goldmünzen, ausgenommen des Dukaten in Österreich, wurde im Vertrag untersagt. Es gab jedoch keine Regelungen zum Einziehen der bisher ausgeprägten Goldmünzen. Es wurde eine allmähliche Einziehung vorausgesetzt. Nur im nicht öffentlichen Separat-Artikel wurde erlaubt, dass bisher geprägte Goldmünzen bei der Erfüllung gesetzlicher oder vertraglicher Verpflichtungen zugelassen waren. Das Kursverhältnis zu den bisher geprägten Goldmünzen wurde durch die Länder festgelegt; so im Königreich Sachsen mit 5 Taler Goldmünze = 0,6032 Krone und 1 Dukat = 0,3442 Krone.

Fehlergrenzen

Der Vorschlag der Münzsachverständigen über folgende Fehlergrenzen wurde im Münzvertrag aufgenommen:

Technische Daten der Vereinsgoldmünze

Aus vorstehenden Vertragsbestimmungen ergeben sich folgende Daten:

Die Dicke war keine Vertragsnorm. Es handelt sich um gemessene Werte.

Gepräge

Das Aussehen der in Ringprägung herzustellenden Vereinsgoldmünze wurde im Vertrag geregelt:

Gemäß Separat-Artikel mussten alle mit der Jahreszahl 1857 geprägten Münzen dem Wiener Münzvertrag entsprechen.

Verhältnis zur Silberwährung

Die neue Goldmünze durfte nur Handelsmünze sein, deren Silberwert durch Angebot und Nachfrage zu bestimmen war. Es gab kein festes Wertverhältnis zur Silberwährung. Für Zahlungen an die Staatskasse konnte ein Kassenkurs, jeweils für einen Zeitraum von maximal 6 Monaten, bestimmt werden. Der kursabhängige Wert der Krone schwankte wegen der stabilen Gold- und Silberpreise nur zwischen 9,1 und 9,3 Taler. Zu den drei Vertragswährungen ergab sich bei einem Gold-Silber-Wertverhältnis von 1 : 15,5 folgender Kurs:

1 Krone = 9,3 Taler Talerwährung = 16,275 Gulden süddeutsche Währung ≡ 13,95 Gulden österreichische Währung.

Niemand war verpflichtet, die Vereinsgoldmünze als Zahlmittel anzunehmen. Es sollte unbedingt verhindert werden, dass es zu einer Doppelwährung kommt bzw. die Vereinsgoldmünze die Silberwährung verdrängen könnte. Deshalb sollte sich der Wert der Vereinsgoldmünze auch nicht einem runden Vielfachen (etwa 10 Taler) der Vereinsmünze annähern. Aus diesen Gründen fehlte auf dem Gepräge, im Unterschied zu früheren Goldtalern, das Wertverhältnis zum Taler.

Die Befürchtungen waren unbegründet. Während der Vertragszeit wurden Vereinsmünzen in Silber im Wert von 385 Mio. Taler und Vereinsgoldmünzen nur im Wert von 14,75 Mio. Taler geprägt.

Geltungsbereich

Das Gebiet umfasste die Länder des Zollvereins ohne Luxemburg. Außerdem im Fall von Österreich und Preußen auch die Gebiete, die nicht zum Deutschen Bund gehörten. Der Vertrag galt nicht in den Hansestädten Hamburg, Bremen und Lübeck, Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz sowie Limburg und Luxemburg. Bremen akzeptierte jedoch die Krone als Währungsmünze zu einem festen Kurs von 8,4 Taler Gold pro Krone. Schleswig und Hohlstein gehörten nach 1864 zum Münzverein. Durch Auflösungsvertrag vom 13. Juni 1867 endete ab 01.01.1868 die Mitgliedschaft von Österreich und Lichtenstein. Für die übrigen Mitglieder des Münzvereins galten die Bestimmungen des Münzvertrages bis zum Inkrafttreten der Reichsmünzgesetze 1871/1873.

Ausprägung der Vereinsgoldmünze

Die Vereinsgoldmünze war neben dem Dukaten in Österreich und in Hamburg die einzigste Goldmünze, die in der Zeit von 1857 bis 1871 ausgeprägt wurde. Der Wiener Münzvertrag enthielt keine Verpflichtung, aber auch keine Beschränkung zur Ausprägung der Vereinsgoldmünze. Tatsächlich beteiligten sich während des Vertragszeitraumes nur 6 Länder an der Ausprägung:

Staaten Eine Krone Halbe Krone Gesamtwert Anteile
Stück Stück in Krone
Kaisertum Österreich 101.607 794.099 498.657 29,9%
Kgr. Hannover 774.191 20.210 784.296 47,0%
Kgr. Preußen 212.269 132.444 278.491 16,7%
Kgr. Sachsen 49.600 14.278 56.739 3,4%
Kgr. Bayern 1.860 4.013 3.867 0,2%
Hzm. Braunschweig 45.298 0 45.298 2,7%
Gesamt 1.184.825 965.044 1.667.347 100,0%

Frankfurt a.M. wollte sich ebenfalls an der Ausprägung der Vereinskrone beteiligen. Die amtliche Bekanntmachung des Bürgermeister Neuburg erschien am 15.05.1858. Wegen der Annexion Frankfurts durch Preußen fand die Ausprägung nicht statt. Die schon fertiggestellten Frankfurter Stempel wurden nach Berlin abgeliefert.

Entwicklung der Ausprägung

Die Auflagen in den Prägejahren unterlagen aus politischen und wirtschaftlichen Gründen starken Schwankungen( Angaben in Stück):

Jahr 1 Krone 1/2 Krone
1857 149.514 10.685
1858 167.735 50.737
1859 93.095 428.875
1860 36.553 243.701
1861 16.281 76.065
1862 29.180 8.638
1863 137.150 3.682
1864 9.279 12.909
1865 326.778 4.261
1866 63.978 21.006
1867 46.050 5.713
1868 102.627 97.030
1869 1 2
1870 4.464 1.740
1871 2.140 0

Von 1857 bis 1859 entstand nach der Zahlungsunfähigkeit von amerikanischen Banken eine sich weltweit verbreitende Finanz- und Wirtschaftskrise. Es kam zu einem verstärkten Geldabfluss in die USA. Friedrich Engels schrieb am 07.02.1857 an Karl Marx: Alles ist wertlos, absolut wertlos, außer Silber und Gold.

Um ein Zusammenbruch der Banken zu verhindern, mussten die Prägeanstalten bis an die Grenze ihrer Kapazitäten arbeiten. Der Markt wurde mit Gold- und Silbermünzen geflutet. Daraus resultierte die hohe Produktion der ersten Jahre. Es gelang die Krise relativ schnell zu überwinden. Die Kehrseite war, dass die ins Ausland abgeflossenen Goldmünzen sofort eingeschmolzen wurden. Deshalb wurden bei der Außerkurssetzung der Vereinskrone zum 01.04.1874 von den 2.138.256 geprägten Goldkronen, nur noch 332.091 Stück bis zum Ablauf der Umtauschfrist am 30.06.1874 eingelöst.

Die hohe Auflage 1865 resultierte fast vollständig aus der Prägung in Hannover vor Annexion durch das Königreich Preußen. Außerdem gab es eine eigenständige Goldwährung neben der offiziellen Silberwährung.

Für die letzten drei Jahre gab es kaum Interesse an der weiteren Ausprägung der Vereinsgoldmünze. Nachdem am 23.12.1865 in Paris die Lateinische Münzkonvention mit dem goldenen 5-Franken-Stück beschlossen wurde, verstärkten sich die Forderungen nach Abschaffung der Vereinskrone. Vom 17. Juni bis 6. Juli 1867 fand in Paris unter Teilnahme fast aller europäischen Staaten und der USA eine Münzkonferenz statt. Die Forderung nach einer Goldwährung, eventuell sogar mit einer Weltmünzeinheit, fand Anhänger. Auch der Deutsche Handelstag diskutierte 1867 und 1868 die Einführung einer Goldwährung. Auf der Vollversammlung vom 20.10. bis 21.10.1868 war klar, dass es eine neue Goldmünze geben würde. Termin sollte der 01.01.1872 sein.

Die auf dem Weltmarkt anerkannt englische Goldmünze Sovereign wurde weiterhin auch auf deutschen Handelsplätzen verwendet. Die Prägeauflage der Vereinskrone von insgesamt 14,75 Mio. Taler war viel zu gering. Jährlich wurden allein auf den Leipziger Messen Waren im Wert von 60 Mio Taler umgesetzt.


Literatur und Verweise


Von "http://www.numispedia.de/Vereinskrone"

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