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Rupie

Rupie / Rupee. Der Name leitet sich her aus dem Sanskrit-Wort 'rouppya' und bedeutet ursprünglich Silber. Als Währungseinheit wurde die Rupie in Indien eingeführt unter Sher-Shah Suri (1540 - 1545 AD, s. Abb.), nachdem er den Herrscher aus dem Haus der Timuriden, Humayun, zur Flucht ins Exil gezwungen hatte. Der ursprüngliche Feingehalt der Rupie / Rupee betrug 175 Gran (1 Gran = 0,063 Gramm), also ca. 11 Gramm.

Bild:Suri946.jpg

Rupie des Sher-Shah Suri


Die Timuriden hatten 1526 unter Babur (dem „Tiger“) von Kabul aus Nordindien und Delhi erobert. Nicht ganz korrekt wurden sie als Nachkommen Timurs bzw. Tamerlans aufgrund ihrer Herkunft in Indien als Moghul / Mughal, d.h. Mongolen bezeichnet. Dieser Name blieb dem Geschlecht nach dem Tod des Sher-Shah und der Rückkehr Humayuns erhalten. Erhalten blieb auch die Rupie / Rupee aus der Währungsreform des Sher-Shah, dessen Ideen von Akbar d. Großen (1556 - 1605 AD), dem Sohn und Nachfolger Humayuns, aufgegriffen und fortgeführt wurden. Die Rupie / Rupee war zentraler Bestandteil eines Münzsystems, das Gold- (Mohur = 14 bis 17 Rupien), Silber- (Rupie = 40 Dam) und Kupfermünzen (Dam) umfaßte, von denen Gold im Zahlungsverkehr kaum eine Rolle spielte (wegen des hohen Wertes) und Kupfer nur in geringen Mengen ausgeprägt wurde. Der Feingehalt der Rupie lag über dem des spanischen Peso und fand deshalb im Handel weite Verbreitung. Dieses Münzsystem hatte fast 300 Jahre Bestand. Akbars größte Leistung war indessen nicht die Währungsreform, sondern sein Versuch, die religiösen Gegensätze zwischen Hindus und Muslimen auszugleichen.

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Rupie Akbars d. Großen (AH 965, 2. Regierungsjahr, 1558 AD)


Unter den Moghul-Herrschern wurden Rupien in vielen Prägestätten und von unterschiedlichem Feingehalt geprägt. Am feinsten (980/1000) und deshalb am begehrtesten waren die Rupien aus Murshidabad. Das Gewicht dieser Rupie entsprach einem gängigen Handelsgewicht, dem Sicca. Als vollgewichtige und deshalb vollwertige Rupie wurde die Münze auch als "Sicca-Rupie" bezeichnet. Später wurde dann verordnet, daß eine Münze während der gesamten Regierungszeit des sie herausgebenden Herrschers als Sicca-Rupie gelte. Nach dem Tod wurden die Münzen von den staatlichen Kassen nur mit einem Abschlag im Wert akzeptiert. Im 18. Jahrhundert änderte man das System, die Münze galt nur noch im ersten Jahr ihres Umlaufs den vollen Wert, im zweiten 97 % und im dritten Jahr 95 %. Dabei blieb es dann, die Münze wurde "Sanwat-Rupie" genannt und entsprechend ihrem tatsächlichen Edelmetallgehalt bewertet. Steuerzahlungen konnten nur in Sicca-Rupien geleistet werden. Das bescherte einer wachsenden Zahl von Geldwechslern und Bankiers parasitäre Erträge, denn nur diese durften altes Silber ankaufen, neu münzen lassen und die neuen Sicca-Rupien in den Verkehr bringen.


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Rupien der East India Company - Maschinenprägungen, l. Typ Murshidabad (Calcutta, 1790-93), r. Typ Surat (Bombay, 1832-35), beide mit "eingefrorenem" Regierungsjahr (19 bzw. 46).


Die Rupie wurde im ganzen Küstengebiet des indischen Ozeans als Handelsmünze akzeptiert. Franzosen und Briten, prägten deshalb ebenfalls Rupien, als sie im indischen Raum Einfluß erhielten. Auch die kurzlebige Batavische Republik prägte in Indonesien Rupien. Die Hauptmünzstätte der Moghul-Herrscher in Surat, wo die Briten seit 1612 eine Niederlassung unterhielten, hatte die von den Europäern ins Land gebrachten spanischen Dollars und anderes Silber in Rupien umzumünzen. 1672 errichteten die Briten eine eigene Münzstätte in Bombay. Zunächst prägten beide Münzstätten nach gleichem Standard, aber allmählich setzte sich der schlechtere Silbergehalt der Rupien aus Surat durch. Nach anfänglichen Versuchen mit europäischem Design prägten die Briten nach dem Vorbild der Typen der Mughal-Herrscher. Sie beendeten im 18. Jahrhundert die Praxis der jährlichen Abwertung der Rupien. Deshalb tragen ihre Ausgaben oft sogenannte "eingefrorene" Jahreszahlen oder fiktive Zahlen von Regierungsjahren des Moghuls. Im 19. Jahrhundert wurden dann moderne Prägemaschinen eingesetzt und die Münzen erschienen mit dem Porträt des jeweiligen britischen Königs.


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Half Rupee der East India Company - Victoria (geteilte Umschrift), datiert 1840, geprägt 1850-62


Rupien wurden auch für die deutsche Kolonie Deutsch-Ostafrika seit 1890 geprägt. Die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft war aufgrund der überragenden Bedeutung der britisch-indischen Rupie nach dem Standard von 1835 geradezu gezwungen, sich dieser Währung zu bedienen. Allerdings geriet zu Ende des 19. Jahrhunderts der Silberpreis und damit der Wert der Rupie, stark unter Druck. Die Regierung von Britisch-Indien führte 1898 praktisch den Goldstandard ein, indem sie den Kurs der Rupie auf 1/15el des britischen Pfundes festsetzte und diesen Wert garantierte. Die Rupien der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft nahmen an dieser Garantie nicht teil und es drohte ihr vollständiger Akzeptanzverlust. Deshalb gab die Gesellschaft die Münzprägung in eigenem Namen auf und überließ sie dem Reich, das nun 1904 die Deutsch-Ostafrikanische Rupie mit dem Wert von 1,33 Mark garantierte. Die Rupie hatte damit Ende des 19. Jahrhunderts ihren Charakter als Währungsmünze eingebüßt und war zur Scheidemünze geworden.

Als Währungsbezeichnung findet sich die Rupie / Rupee heute in Indien, Pakistan, Sri Lanka, Nepal und Mauritius, variiert auch als Rupiah oder Rufiyah in anderen Staaten.


Siehe auch


Von "http://www.numispedia.de/Rupie"

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