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Maria-Theresien-Taler

auch Levantetaler

Obwohl bereits seit 1741 Taler mit dem Bild von Maria Theresia (1717-1780) geprägt wurden, spricht man erst ab der Münzreform von 1750 vom Maria-Theresien-Taler. Das Gewicht wurde in dieser Reform auf 28,14 Gramm festgelegt, Münzmetall sollte 832/1000 Silber sein (später dann 28,06 Gramm und 833/1000 Silber). Geprägt wurde der Taler in verschiedenen Münzstätten in Österreich. Durch die ansprechende Gestaltung und das Vertrauen gegenüber der Kaiserin war der Maria-Theresien-Taler ein beliebtes Zahlungsmittel für den Handel in der Levante. Als 1765 überraschend der Kaiser starb, wurde der Taler mit einem Bild der Maria Theresia mit großem Witwenschleier geprägt. Die veränderten Taler wurden in der Levante zunächst total abgelehnt. Deshalb prägte man parallel Taler mit und ohne Witwenschleier. Ab 1767 wurden die Taler mit Witwenschleier auch in der Levante akzeptiert. 1780 starb Maria Theresia. Der Handel im Mittelmeerraum erlebte gleichzeitig einen großen Aufschwung. Deshalb gestattete die Hofkammer in Wien, dass der Maria-Theresien-Taler mit den alten Prägestempeln weitergeprägt werden durfte, bis die Stempel unbrauchbar waren. Das war bereits 1783 der Fall. Auf Nachfrage genehmigte die Hofkammer am 1. Dezember 1783 die Anfertigung neuer Stempel. Gleichzeitig wurde verfügt, dass die Taler so lange mit der Jahresangabe 1780 weitergeprägt werden sollen bis keine Nachfrage mehr besteht. Bis 1853 wurden die Taler noch mit verschiedenen Münzmeisterzeichen geprägt. Ab 1854 wurde dann offiziell nur mit den Günzburger Zeichen S.F. geprägt. Am 1. November 1858 verlor der Maria-Theresien-Taler seine Eigenschaft als gesetzliches Zahlungsmittel in Österreich. In einigen afrikanischen Ländern blieb er bis ins 20. Jh. gültiges, manchmal sogar das einzige von der Bevölkerung akzeptierte Zahlungsmittel. Realistische Schätzungen gehen heute von mehr als 300 Millionen Nachprägungen aus.

Maria-Theresien-Taler (Avers) - Bild anklicken zum Vergrößern Maria-Theresien-Taler (Revers) - Bild anklicken zum Vergrößern


Aufsatz von Walter Hafner:

Die Levante waren die östlichen Mittelmeerländer, welche lange Zeit zum osmanischen Reich gehörte. Die Geschichte von einer der wohl schönsten und sonderbarsten Münze der Geldgeschichte begann eigentlich schon lange vor 1780. Anfang des 18. Jahrhundert mit dem beginnenden Untergang des osmanischen Imperium begann der Aufschwung des Handels der europäischen Staaten in der Levante, besonders die Nachfrage nach Silbermünzen in Talergröße. Die Bezeichnung Lavantiner Taler findet man erstmals 1762 und dem MTT seine Vorläufer waren zum Teil auch Taler von den Kaisern Karl VI. und Leopold I. Der Grundstein war auch durch die jahrhundertelangen kriegerischen Auseinandersetzungen des Habsburgerreiches mit der Türkei gelegt. Denn die als Kriegsbeute in die Türkei gebrachten österreichischen Silbermünzen fanden in der Türkei viele Liebhaber. Durch die Randschrift konnte man nicht unbemerkt die Taler verkleinern, wie durch befeilen usw. Dann noch der gleichbleibende hohe Silbergehalt und das schöne Bildnis einer Frau, gab den europäischen Konkurrenten wie Venedig, Toskana, Ragusa, Frankreich, Spanien und Preußen mit ihren Talern keine Chance. Als der Gemahl von Maria Theresia starb und man die Taler mit einem großen Witwenschleier versah fand man in der Levante kein Verständnis dafür und diese Taler wurden abgelehnt. So wurde die Münzstätte Günzburg beauftragt die Taler 1765 ohne Schleier weiter zu prägen. Als dann 1772 die Taler nur mit einem kleinen Schleier versehen wurden, konnten dann auch diese als Handelstaler verwendet werden. Knapp vor dem Tode der Herrscherin 1780 änderte man das jugendliche Bildnis in der Münze Wien auf das Bild, welches ähnlich bis heute verwendet wird. Erzherzogin Maria Theresia neben Ihren vielen Titeln meist auch Kaiserin genannt, obwohl sie die Krönung neben ihren Gatten ablehnte schuf so Österreichs berühmteste Münze, den Maria Theresien Taler 1780. Nach dem Ableben der großen Herrscherin versuchte man nun die Taler von Kaiser Josef II., Sohn und Nachfolger als Handelsmünzen zu verwenden, welche aber wie schon viele andere vorher abgelehnt wurden. Danach wurden zuerst nur die Münzstätten von Wien und Günzburg beauftragt die Taler mit der Jahreszahl 1780 weiter zu prägen. Mit kleinen Abänderungen wurde es auch ausgeführt und als Günzburg 1805 durch den Friedensvertrag von Preßburg an Bayern fiel mußte Wien alleine weiterprägen. Da die Talernachfrage aber zu groß war wurden die Münzstätten von Karlsburg und Prag zur Prägung veranlaßt. Der Engländer Brown berichtete 1793, daß der österreichischen Taler in Ägypten stark zirkuliert. Es wurden nun auch Venedig und Mailand mit der Talerprägung beauftragt und man verwendete das Münzzeichen S.F., das letzte von der 1805 geschlossenen Münzstätte Günzburg um ein einheitliches Talerbild zu bekommen. Der Talerhandel war ein gutes Geschäft für die österreichische Münze und in vielen Teilen der Erde eine sehr beliebte Münze. Wie zum Beispiel war auch der Preis überall verschieden, in Belgrad 80 Para, in Konstantinopel 82-84 und in Kairo sogar 85-86 Para. Er wird auch in fast allen Reiseberichten der Zeit aus Nord- und Ostafrika als Zahlungsmittel erwähnt. Im Tschadseegebiet ist er das einzige Großzahlungsmittel und wird unterteilt in 4000 Kaurimuscheln. Die Preise für eine Milchkuh waren 3-5, für ein Pferd 15-25 und ein Sklave kostete 12-14 MTT. Er erhielt auch von den Einheimischen die verschiedensten Namen, wie Abu Teir = Vater des Vogels, Abu gnuchtu = Vater der Zufriedenheit, Reali moesi = schwarzer Taler, Rial kebir großer Taler und auch Rial namsawi = österreichischer Taler. Als nach einem Produktionsrückgang sich die Talernachfrage nach dem Ersten Weltkrieg wieder erholte wurden bereits 1925 an die 15 Millionen Taler geprägt, wobei Abessinien der Haupabnehmer war. Da in Abessinien die Nachfrage sehr groß war, wurde dort auch Papiergeld lautend auf 10 Taler, 50 Taler, 100 Taler und 500 Taler ausgegeben. Um nach einer neuerlichen Beruhigung den Talerverkauf in Schwung zu halten wurde nach Herrn Stokes 1932 mit der Londoner Firma Johnson, Mathey & Co. ein Talerliefervertrag auf 10 Jahre abgeschlossen, wobei das österreichische Hauptmünzamt nur 10.000 Stück pro Jahr für den Heimischen Bedarf prägen durfte. Als 1935 wegen der zu geringen Abnahme der Vertrag von Österreich gekündigt wurde mußte im gleichen Jahr unter gewissem Druck ein ähnlicher mit Italien für 25 Jahre abgeschlossen werden. Nun als die Talernachfrage in den Jahren danach stieg konnte das Hauptmünzamt durch die geringe Menge, welche Österreich prägen durfte von höchstens 10.000 Taler pro Jahr für den heimischen Schmuckbedarf nicht an andere Länder liefern und Italien belieferte seine Gegner und Feinde natürlich auch nicht und so entschlossen sie sich die MTT 1780 selbst zu prägen. Es begannen nun die Münzstätten in Paris, London, Brüssel, Birmingham, Bombay und auch Utrecht, vermutlich Schweden, sowie in Zürich von einer privaten Prägeanstalt für einen Bankauftrag.

Nun sind in den über 220 Jahren und der Vielfalt der verschiedenen Münzanstalten eine große Menge von Varianten entstanden. Sollten Sie mehr Interesse daran haben so kann ich Ihnen meinen „MTT 1780 Lexikon“ empfehlen.

Mit freundlicher Genehmigung von Herrn Walter Hafner http://www.8ung.at/mtt/

Bekannte Prägezahlen

Prägestätte Münzzeichen Zeitraum Prägezahlen
Wien 1920 - 1937 52.069.465
Rom 1935 - 1939 19.496.729
Paris 1935 - 1957 11.809.956
London 1936 - 1961 20.159.070
Brüssel 1937 - 1957 10.995.024
Bombay 1940 - 1941 18.864.576
Birmingham 1949 - 1955 3.428.500
Wien 1956 - 1975 9.924.151


Weblinks

Von "http://www.numispedia.de/Maria-Theresien-Taler"

Diese Seite wurde bisher 43329 mal abgerufen. Diese Seite wurde zuletzt geändert um 23:05, 13. Apr 2009. Inhalt ist verfügbar unter der Creative Commons.


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