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Hintergrund:Ludwig I. (Bayern)

(Weitergeleitet von Ludwig I.)

Ludwig I. Karl August, König von Bayern, ältester Sohn des Königs Maximilian Joseph aus dessen erster Ehe mit Auguste von Hessen-Darmstadt, geb. 25. Aug. 1786 zu Straßburg, wo sein Vater Oberst des französischen Regiments d'Alface war, wurde in Mannheim, wohin seine Eltern 1789 vor der Revolution geflüchtet waren, und in Rohrbach an der Bergstraße einfach und streng erzogen und genoß den Unterricht vortrefflicher Lehrer, welche seine guten natürlichen Anlagen zu hoher, vielseitiger Bildung entwickelten. Als sein Vater 1799 Kurfürst von Bayern wurde, siedelte er mit seinen Eltern nach München über und bezog 1803 die Universität Landshut, dann Göttingen, um Staatsrecht, Philosophie und Geschichte zu studieren. Damals begann er zuerst sich in Gedichten zu versuchen, die zwar barock in Wort- und Satzbau und voll Verstöße gegen die Metrik sind, aber für den edlen Geist und das tiefe Gemüt des Verfassers ein schönes Zeugnis ablegen. Eine hohe Begeisterung für das Vaterland, den Genius des deutschen Volkes erfüllte ihn. Seine erste Reise nach Italien 1804 förderte und bethätigte seinen lebhaften Kunstsinn. 1806 mußte er Napoleon nach Paris begleiten, und 1807 befehligte er im französischen Heer die bayrische Division. Auch im Krieg von 1809 kommandierte er unter Lefebvre eine Division des bayrischen Korps, obwohl er Napoleon haßte. Um so schmerzlicher war es für ihn, daß er an dem Krieg gegen Frankreich 1813-14 nicht teilnehmen durfte. In der Zeit des Friedens widmete er sich besonders der Kunst, namentlich in Rom, wo er sich zweimal, 1817-18 und 182-21, längere Zeit aufhielt, und begann den Bau der Glyptothek, für deren Sammlung er schon 1804 die Ankäufe begonnen hatte. An der Politik nahm er nur wenig Anteil; nur den Sturz Montgelas' (1817), dessen bürökratischer Rationalismus seinen romantischen Anschauungen zuwider war, und die Einführung der Verfassung förderte er. Seine liberalen Grundsätze bestätigte er auch in den ersten Jahren nach seiner Thronbesteigung (12. Okt. 1825): das Zensuredikt wurde aufgehoben, der Kirche größere Freiheit gelassen, und seine erste Thronrede am 17. Nov. 1827 verkündete noch weitere Reformen. Die arg zerrütteten Finanzen wurden durch bedeutende Einsparungen in Ordnung gebracht. Die Universität Landshut wurde reorganisiert und nach der Hauptstadt verlegt sowie die großartigen Kunstbauten und Sammlungen begonnen, deren Kosten zumeist aus den Privatmitteln des Königs bestritten wurden. Cornelius, Schnorr, Kaulbach u. a. wurden nach München berufen, um es mit Fresken und Gemälden zu schmücken; Schwanthaler schuf zahlreiche Bildwerke, die Glasmalerei und Gießkunst wurden von Ludwig I. wieder belebt. 1826 wurde der Grundstein zur Pinakothek, 1830 zur Walhalla gelegt. Lebhaft hatte Ludwig I. schon als Kronprinz der Freiheitskampf der Hellenen beschäftigt; als König lieh er ihnen seine materielle und moralische Unterstützung und brachte der Einsetzung seines Sohnes Otto als König von Griechenland 1832 bedeutende Opfer aus seinem Privatvermögen (über 2 Mio. Gulden), die ihm schlecht gedankt wurden. 1835-36 bereiste er selbst Griechenland. Mehr und mehr aber wurde Ludwig I. seiner königlichen Rechte und seiner Pflicht für Wahrung des monarchischen Prinzips bewußt, zumal als die Stände ihm öfters opponierten oder ungeduldige Forderungen stellten, und seitdem der liberal gesinnte Minister Fürst Wallerstein 1837 seine Entlassung nahm. Mit der Ernennung Abels zu seinem Nachfolger wuchs auch die Macht der ultramontanen Partei, der Ludwig I. selbst durch seine romantische Vorliebe für die katholische Kirche und ihre mittelalterlichen Einrichtungen Vorschub leistete. Zahlreiche Klöster erstanden wieder, Klagen über Beeinträchtigung der Protestanten wurden laut, die Zensur lebte von neuem auf, Unterricht und Wissenschaft wurden vernachlässigt. Die klerikalen Anmaßungen wurden endlich Ludwig I. selbst unerträglich; aber der äußere Anlaß, der Ludwig I. zum Sturz des wenig beliebten Ministeriums Abel bewog, raubte diesem Schritt seine Popularität vollständig: erst als das Ministerium sich am 11. Febr. 1847 weigerte, die Indigenatsverleihung an die Freundin Ludwigs, die abenteuerliche Tänzerin Lola Montez, gegenzuzeichnen, erhielt es seine Entlassung, und der freisinnige Staatsrat v. Maurer wurde an die Spitze der Regierung berufen, dem jedoch bald Fürst Wallerstein folgte. Die Opposition der ultramontanen Professoren und Studenten in München reizte Ludwig I. so, daß er mit scharfen Polizeimaßregeln dagegen einschritt und im Februar 1848 sogar die Universität schloß. Als dies, verbunden mit der Erregung der Februarrevolution, zu Unruhen in München Anlaß gab, legte er am 20. März 1848 die Krone nieder; ihm folgte sein ältester Sohn, Kronprinz Maximilian. So endete seine fast 23jährige Regierung. Ludwig I. war zu wenig Staatsmann, um Bayern durchgreifend umzugestalten und bestimmte Ziele mit Konsequenz zu verfolgen. Nur in der auswärtigen Politik hielt ihn seine echt deutsche Vaterlandsliebe stets ab (von seinen Bestrebungen zur Wiedererwerbung der badischen Pfalz abgesehen), mit fremden Mächten zu intrigieren; er wünschte lebhaft die Einigung Gesamtdeutschlands. Von bedeutendem Einfluß war Ludwig I. durch seine Beförderung der Künste auf die geistige Entwickelung Bayerns und Deutschlands; gerade seine Vielseitigkeit war hier von Vorteil. Auch nach seiner Abdankung verwendete er große Mittel aus seinem Privatvermögen auf Kunstwerke, Sammlungen und Bauten: die Münchener Kirchen, die Neue Pinakothek, die Befreiungshalle in Kelheim, die Propyläen wurden vollendet. Im ganzen verwendete Ludwig I. 21 3/4 Mio. Gulden für Bauten und Kunst. Er starb am 29. Febr. 1868 in Nizza, seine Leiche wurde in der Bonifaciuskirche zu München beigesetzt. Bis zum höchsten Alter war er körperlich und geistig frisch. Er war von stattlicher Figur, seine Haltung aber nicht straff, auch infolge seiner Schwerhörigkeit. In seinem Äußeren war er höchst einfach und liebte den Verkehr mit den verschiedensten Volksschichten; wegen seiner leutseligen, witzigen Unterhaltungsgabe war er sehr beliebt, vor allem bei den Künstlern. 1860 wurde in München seine Reiterstatue errichtet. Er war seit dem 12. Okt. 1810 mit der Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen (geb. 8. Juli 1792, gest. 26. Okt. 1854) vermählt, die ihm vier Söhne, Maximilian, seinen Thronfolger (gest. 1864), Otto, Exkönig von Griechenland (gest. 1867), Luitpold und Adalbert (gest. 1875), und vier Töchter, Mathilde, Gemahlin des Großherzogs Ludwig von Hessen (gest. 1862), Adelgunde, vermählt mit dem Herzog Franz von Modena (Witwe seit 1875), Hildegard, Gemahlin des Erzherzogs Albrecht von Österreich (gest. 1864), und Alexandra (gest. 1875), gebar. Seine "Gedichte" erschienen in 4 Bänden (München 1829-47). Außerdem veröffentlichte er: "Walhallas Genossen" (München 1843) und das vielfach aufgeführte Lustspiel "Rezept gegen Schwiegermütter" (nach dem Spanischen, Berlin 1866).

Literatur

Von "http://www.numispedia.de/Hintergrund:Ludwig_I._%28Bayern%29"

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