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Hintergrund:Herzog

Herzog (lat. Dux), bei den alten Germanen derjenige, welcher an des Heeres Spitze zog. Tacitus nennt jene, in denen er die eigentlichen Häupter der Volksstämme sah, Könige (reges), die Herzöge aber Heerführer (duces). Als die germanischen Stämme nach der Völkerwanderung seßhaft wurden, blieben die siegreichen Herzöge ihrer Völker Oberhäupter. Im Langobarden- und im Frankenreich wurden allerdings auch königliche Beamte mit dem Titel Herzog eingesetzt; dieselben hatten die Rechte und Befugnisse der Grafen, doch über ein größeres Gebiet zum Zweck einer besseren Landesverteidigung oder zur Erhaltung des Landfriedens. In den Zeiten der Schwäche des merowingischen Königtums erlangten diese Herzöge bald eine größere Selbständigkeit, und so kam es, daß schon in den letzten Zeiten der Merowinger die Herzöge in Bayern, Alemannien, Thüringen und Friesland ihre Herzogtümer erblich regierten und mitunter sogar unabhängig zu machen suchten. Dies änderte sich jedoch schon unter dem kräftigen Pippin und mehr noch unter Karl dem Großen, welcher die Herzöge beseitigte und das Grafenamt an die Stelle der Herzogswürde setzte. Bei den Sachsen war die Herzogswürde überhaupt nur vorübergehend für die Kriegsdauer bestimmt geblieben. Dieser Zustand dauerte jedoch nur bis zum Tod Karls. Die Schwäche seiner Nachfolger benutzend, wußten die Sendgrafen der Könige häufig ihre Würde dauernd zu machen und die Stellung der ehemaligen Herzöge einzunehmen. Das ostfränkische Reich zerfiel um 900 in fünf erbliche Herzogtümer (Franken, Schwaben, Bayern, Sachsen, Lothringen), welche nur sehr lose durch das Königtum miteinander verbunden waren. Nach dem Erlöschen der Karolinger 911 hielten bloß Sachsen und Franken den Reichsverband aufrecht, die übrigen suchten sich davon loszureißen. Selbst Heinrich I. mußte dem Herzog von Bayern das Recht, die Bischöfe zu ernennen, zugestehen und sich mit der Anerkennung seiner Oberhoheit begnügen. Erst von seinen Nachfolgern wurden energische Maßregeln zur Sicherung der Königswürde gegen die übermächtigen Herzöge ergriffen; namentlich war es Kaiser Heinrich III. aus dem fränkischen Haus, welcher die Herzogtümer entweder ganz aufzuheben suchte, oder deren Inhaber wenigstens häufig wechseln ließ. Unter seines Nachfolgers Heinrich IV. Regierung gewann dagegen die herzogliche Gewalt wieder festeren Boden. Es bestanden in Deutschland damals sieben Herzogtümer, nämlich Sachsen, Franken, Bayern, Kärnten, Schwaben, Ober- und Niederlothringen. Da nun während des aufreibenden Kampfes der Kaiser mit dem Papsttum auch die übrigen Fürsten dieselben Rechte und eine gleiche Unabhängigkeit, teilweise (in Österreich) auch den Namen der Herzöge erlangten, schwand die bevorrechtete Stellung der Herzöge. In Franken und Schwaben ging das Herzogtum nach Erlöschen des hohenstaufischen Hauses ganz ein, und die bisherigen herzoglichen Gebiete wurden zerstückelt; in Sachsen aber war schon vorher bei dem Sturz Heinrichs des Löwen die herzogliche Würde teils auf Westfalen (das dem Stift Köln gehörte), teils auf das Gebiet der mittleren Elbe übergegangen, während aus dem alten Herzogtum Sachsen, insoweit es welfisches Allodialgut war, ein neues Herzogtum, Braunschweig, erwuchs. Da zuletzt auch Oberlothringen in eine französische Provinz verwandelt wurde, so hat sich von den ursprünglichen Herzogtümern nur eins, nämlich das Königreich Bayern unter den Wittelsbachern, erhalten. Dagegen sind durch Erbteilungen herzoglicher Häuser sowie durch Erhebung von Fürsten zu Herzögen neue Herzogtümer entstanden, welche mit der Zeit und nach der Auflösung des Deutschen Reichs die volle Souveränität erlangten, während in den nicht germanischen Ländern Europas aus dem Kampf mit dem Königtum ein entgegengesetztes Ergebnis - die Umbildung der Herzogswürde in einen bald erblichen, bald bloß persönlichen Titel (in Frankreich duc, in Italien duca, in Spanien duque) mit den Vorrechten des hohen Adels - hervorgegangen ist. Auch in Deutschland führten die Brüder, Söhne und Enkel etc. der Souveräne von Bayern und Württemberg den Herzogstitel ohne Landbesitz. Das Haus Österreich hat für seine Prinzen und Prinzessinnen den Titel Erzherzog und Erzherzogin beibehalten. Mehreren älteren Herzogtümern Deutschlands ist durch die Restauration von 1814 der bereits von Napoleon I. verliehene Name Großherzogtum mit königlichen Ehren für deren Landesfürsten teils bestätigt, teils neu gewährt worden. Der Titel der souveränen Herzöge in Deutschland ist seit 1844 Hoheit (früher Durchlaucht), der der mediatisierten und Titularherzöge Durchlaucht. Das Wappen der Herzöge war früher zur Bezeichnung ihrer Würde mit einem Fürstenhut versehen, später aber haben die souveränen Herzöge Königskronen über ihren Wappen angenommen.

Literatur

Von "http://www.numispedia.de/Hintergrund:Herzog"

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