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Denar - römisch

Denar des Gordian III. (238-244 n. Chr.)
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Denar des Gordian III. (238-244 n. Chr.)

Denar, eine römische Silbermünze, die bis in die Neuzeit namengebend für viele internationale Währungen sein sollte. Auf der Grundlage von Münzfunden läßt sich die Einführung des Denars auf das Jahr 211 v.Chr., also in die Zeit des Zweiten Punischen Krieges, datieren. Die frühen Denare bestanden aus nahezu reinem Silber; ihr Gewicht lag bei ca. 4,55 g. Allerdings erfolgte noch in republikanischer Zeit eine Reduktion auf ca. 3,90 g.

Die Vorderseite der Münze zeigt die Büste der Göttin Roma in einem mit Flügeln geschmückten Helm und häufig das Zahlzeichen X: 1 Denar = 10 Asse. Die Rückseite der Münze bildet anfangs die beiden reitenden Dioskuren ab, Castor und Pollux, die sagenhaften Jünglinge, welche die Römer bei der Schlacht am See Regillus im Jahre 496 v.Chr. vor einer bitteren Niederlage gegen die Latiner bewahrten.

Um 136 v.Chr. führte die massenhafte Prägung kupferner Asse zu einer Änderung des Nennwerts der Denare: Dieser betrug von nun an nicht mehr 10, sondern 16 Asse. Dem wurde im Prägebild gelegentlich durch das Einfügen des Zahlzeichens XVI (manchmal auch ein quergestrichenes X mit derselben Bedeutung) Rechnung getragen.

In spät-republikanischer Zeit waren die Münzmeister für die Münzbilder verantwortlich und nutzen sie zur "Familienpropaganda", indem sie u.a. die Portraits berühmter Vorfahren abbildeten. Auf die Darstellung lebender Personen wurde verzichtet, bis der Senat dieses Recht Julius Caesar verlieh. Das geschah allerdings erst wenige Monate vor Caesars Ermordung; Denare, die sein Portrait zeigen und zu seinen Lebzeiten geprägt wurden, sind dementsprechend selten. In den letzten Jahren der Republik ließen sich auch andere am Kampf um die Macht beteiligte Politiker (so Mark Anton und Oktavian) auf Denaren darstellen. Nach der Beendigung der Bürgerkriege und der Etablierung der Monarchie durch Oktavian zeigten die Münzen durchweg das Portrait des Herrschers oder eines Mitglieds des römischen Herrscherhauses.

Die Münzreformen unter Augustus (u.a. Einführung des Sesterz aus Orichalcum) berührten den Nennwert des Denars nicht; dieser betrug weiter offiziell 4 Sesterze bzw. 16 Asse. Der Feingehalt des Denars entwickelte sich etwa folgendermaßen (die Daten sind Näherungswerte):

3,68 bis 3,72 g unter Augustus und seinen Nachfolgern bis Nero,

3,54 g in den ersten Regierungsjahren Neros,

3,14 g gegen Ende der Regierung Neros,

3,21 bis 3,07 g unter Vespasian und Titus,

3,44 g in den ersten Jahren Domitians (bis 85 n.Chr.),

3,28 g zwischen 85 und 96 n.Chr.,

3,24 g unter Nerva,

3,07 g unter Trajan,

3,02 g unter Hadrian,

2,68 g bis 2,96 g unter Antoninus Pius,

2,58 g bis 2,64 g unter Mark Aurel,

2,35 g bis 2,08 g unter Commodus,

1,81 g bis 2,46 g unter Septimius Severus,

1,65 g unter Caracalla,

1,82 g unter Macrinus,

1,41 g unter Elagabal,

1,49 g bis 1,29 g unter Severus Alexander,

1,41 g unter Maximinus Thrax,

1,46 g unter Gordian III.

Zwischen 241 und etwa 270 n.Chr. sank der Denar zu einer bloßen Kupfermünze herab. Welche Motive gaben für die nahezu ununterbrochenen Feingehaltssenkungen den Ausschlag?

In den meisten Fällen standen unzweifelhaft fiskalische Gesichtspunkte im Vordergrund. Nero hielt einen notorisch extravaganten Hof; Vespasian und Septimius Severus mußten sich in kostspieligen Bürgerkriegen gegen ihre Konkurrenten durchsetzen; Domitian und Mark Aurel führten teure Kriege in Germanien, und seit den zwanziger Jahren des 3. Jahrhunderts trat die Bedrohung durch die Sassaniden hinzu. Man senkte also den Silbergehalt des Denars, um den Prägegewinn zu steigern. Es ist allerdings möglich, dass zumindest die Reduktion unter Trajan anders motiviert war. Unter Trajan wurde Dacien mit seinen Goldvorkommen römische Provinz. Da der Goldpreis im Reich dementsprechend gefallen sein dürfte, könnte es sein, dass es schwierig wurde, das traditionelle Verhältnis von 1 Aureus = 25 Denare aufrechtzuerhalten. Eine Senkung des Silbergehalts hätte das Problem gelöst. Gegen diese Möglichkeit spricht allerdings der Umstand, dass der Denar auch unter den folgenden Kaisern verschlechtert wurde, ohne dass es Anhaltspunkte für ein weiteres Fallen des Goldpreises gibt. Außerdem ist fraglich, wie genau die Konsumenten im Römischen Kaiserreich den Edelmetallgehalt der umlaufenden Münzen beobachteten. Einerseits versuchten einige Kaiser (z.B. Domitian und Macrinus) offenbar, sich durch Feingehaltssteigerungen Popularität zu verschaffen, was dafür spricht, dass die Öffentlichkeit sehr genau über den Silbergehalt des Denars informiert war. Auf der anderen Seite berichtet Cassius Dio aus dem frühen 3. Jahrhundert, dass der Aureus zu seiner Zeit noch immer 25 Denare galt. Dies kann dem marktgängigen Gold-Silberverhältnis auf keinen Fall mehr entsprochen haben und läßt eher darauf schließen, dass die Konsumenten über den Edelmetallgehalt der Münzen nur unzureichend informiert waren. Das Problem ist beim gegenwärtigen Forschungsstand noch ungelöst.

Seit Caracalla wurde der Denar vom sog. Antoninian als wichtigste Umlaufmünze im Römischen Reich ersetzt. Als Kupfermünze prägte man ihn noch bis in die ersten Regierungsjahre Diocletians, wenn auch offenbar nur noch in geringem Umfang. Allerdings geht unter anderem aus dem Preisedikt Diocletians von 301 n.Chr. hervor, dass man den Denar als Rechnungseinheit auch im 4. Jahrhundert noch beibehielt: Nicht nur Waren und Dienstleistungen, sondern auch die damals umlaufenden, heute meist als Follis bezeichneten Münzen wurden im Edikt in "denarii communes" tarifiert.

Das Umlaufgebiet des Denars dehnte sich seit seiner Einführung bis ins 1. Jahrhundert n.Chr. hinein ständig aus. In der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts wurden Denare überall im Römischen Reich - auch in den östlichen Provinzen, die über Städte mit eigenen Währungen verfügten - als gängiges Nominal akzeptiert. Es gab nur eine Ausnahme: Ägypten, das bis zu den Reformen Diocletians als geschlossene Wirtschaft eine eigene Billon-Währung hatte. Auch jenseits der Reichsgrenzen liefen Denare um und wurden teils nachgeahmt. Zumindest was Germanien betrifft, ist allerdings fraglich, ob die dort gefundenen Denare anders behandelt wurden als ungeprägtes Silber; die übliche Funktion des Geldes als Wertmesser gehandelter Waren dürften sie jedenfalls nur unvollkommen erfüllt haben. Zahlreiche Denare vor allem aus dem 1. Jahrhundert n.Chr. wurden in Indien gefunden; dort beeinflussten sie Entwicklung eigener Geldsysteme. Mit der Verringerung des Feingehalts im 2. Jahrhundert ließ der Denarexport nach. Importe musste das Römische Reich mangels eigener exportfähiger Produkte von nun an mit Gold bezahlen; auch Tribute an aggressive Nachbarn waren in Gold zu leisten.


Im 7. / 8. Jahrhundert wird der Denar als neue Silberwährung wieder eingeführt.

Siehe dazu unter Denar - mittelalterlich


Literatur:



Von "http://www.numispedia.de/Denar_-_r%F6misch"

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