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Doppelwährung

(Weitergeleitet von Bimetallismus)

Bei der Doppelwährung prägte die münzberechtigte Obrigkeit Gold- und Silbermünzen, die in einem gesetzlich festgelegten Verhältnis zueinander stehen. Beispiele für derartige sogenannte bimetallische Systeme sind die kaiserzeitliche römische Währung, in der der Aureus vom späten 1. Jahrhundert v.Chr. bis zur ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts n.Chr. durchweg einen Nennwert von 25 Denaren hatte, oder die spätmittelalterliche Währung Englands, wo der goldene Nobel stets als dritter Teil eines silbernen Pfund Sterlings galt.

Da die Geldeinheiten, die im Rahmen bimetallischer Systeme geprägt werden, einen Materialwert haben, sind Doppelwährungen stets in besonderem Maße dem Druck der Marktkräfte ausgesetzt. Die relativen Preise von Gold und Silber schwanken mit Angebot und Nachfrage, so dass sich das gesetzliche Verhältnis der auf unterschiedlichen Metallen beruhenden Münzen nur auf zwei Weisen aufrecht erhalten lässt: entweder durch ständige Anpassungen ihres Silber- oder Goldgehalts oder durch politische Zwangsmaßnahmen.

Ersteres wurde gelegentlich versucht. Möglicherweise erfolgte die Feingehaltssenkung des römischen Denars im frühen 2. Jahrhundert aus diesem Grund; unzweifelhaft ist, dass sich zahlreiche prägeberechtigte Obrigkeiten im spätmittelalterlichen Europa bemühten, ihre Silberwährungen auf diese Weise an das Gold zu koppeln. Noch der gegen Ende des 15. Jahrhunderts erstmals geprägte Taler sollte dem Metallwert nach exakt einem Gulden entsprechen (daher seine ursprüngliche Bezeichnung „Guldiner“). Die Notwendigkeit, den Feingehalt der Münzen ständig den relativen Preisen von Gold und Silber anzupassen, führte allerdings zu erheblicher monetärer Instabilität und dazu, dass dahingehende Versuche meist schnell aufgegeben wurden.

Politische Zwangsmaßnahmen, mit denen das gesetzliche Verhältnis von Gold zu Silber aufrecht erhalten werden sollte, erforderten eine durchsetzungsfähige Obrigkeit. Zumindest im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit war kaum ein Herrscher in der Lage, die Zirkulation seines Silber- und Goldgelds zur nominellen Parität zu erzwingen. In aller Regel hatten selbst heimische Goldmünzen einen schwankenden Kurs in heimischem Silbergeld (man spricht in solchen Fällen von „Duometallismus“). Die einzige Ausnahme war England, das im 14. und 15. Jahrhundert an den Grenzen bzw. Häfen strikte Devisenkontrollen durchführte. Mit zunehmender Integration der Finanz- und Warenmärkte geriet allerdings selbst England unter Druck. In der frühen Neuzeit war das Land so weitgehend auf den Außenhandel angewiesen, dass Maßnahmen wie diejenigen des Spätmittelalters nicht mehr durchgeführt werden konnten. Vor diesem Hintergrund verfügte Isaac Newton als „Master of the Mint“ im Jahre 1717 ein nicht praktikables Verhältnis von Gold zu Silber: Er setzte den Nennwert der Gold- in Silbermünzen zu hoch (bzw. den der Silber- in Goldmünzen zu niedrig) an. Die Folge war, dass die Konsumenten mit ihren silbernen Münzen auf dem Markt weniger Gold einwechseln konnten als mit Rohsilber. Die sich daraus ergebenden Anreize, Silbergeld einzuschmelzen und als Rohmetall zu verkaufen, waren so stark, dass alle Silbermünzen außer den am stärksten abgenutzten und beschnittenen aus dem Umlauf verschwanden. Auf diese Weise erfolgte der Übergang Großbritanniens zum Goldstandard ungeplant und aufgrund einer fehlerhaften Kalkulation Newtons. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden die Versuche, ihre Doppelwährungen aufrechtzuerhalten, auch von den übrigen europäischen Staaten nach und nach aufgegeben; es erfolgte eine allgemeine Übernahme des Goldstandards.

Literatur

Von "http://www.numispedia.de/Doppelw%E4hrung"

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